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Samstag, 28. April 2012

To the make of a piper go seven years (IV)

(Fortsetzung von "To the make of a piper go seven years (III)



Wenn der Bewegungsablauf von Blasen und Drücken automatisch und ohne viel nachdenken vonstatten geht, entscheidet der Lehrer, nunmehr die eigentliche Spielpfeife der Highland bagpipe anstelle des practice chanters zu verwenden. Das Rohrblatt der Spielpfeife wird der Lehrer zu diesem Zweck so bearbeiten, dass der Schüler nicht zuviel Luftdruck erzeugen muss, um es zum Klingen zu bringen. Trotz dieser Erleichterung wird es wegen des immer noch grösseren Luftbedarfs als beim practice chanter eine grosse Umstellung für den Schüler bedeuten. Die Bordunpfeifen bleiben darum nach wie vor mit Korken verschlossen. Weitere ein bis zwei Wochen spielt der Schüler jetzt auf der Highland bagpipe, bei der nur die Spielpfeife erklingt und hat Zeit, seine Lippen- und Mundmuskulatur an die neue Situation zu gewöhnen. 
Im weiteren Verlauf der nächsten Wochen werden nacheinander die Bordunpfeifen dazugeschaltet: zuerst eine der beiden Tenorbordunpfeifen (die aussen liegende), dann die Bassbordunpfeife und zum Schluss die letzte, die in der Mitte liegende zweite Tenorbordunpfeife. Dieses schrittweise Vorgehen gibt dem Schüler Gelegenheit, sich jeweils an den neuen erforderlichen "Betriebsdruck" zu gewöhnen. Während dieser Prozedur wird der Lehrer auch beginnen, das Gehör seines Schülers zu schulen und ihm immer wieder zeigen, wie die Bordunpfeifen akkurat gestimmt werden.
Etwa zwei Jahre werden jetzt vergangen sein, in denen der Schüler sich eine solide Grundlage erarbeitet hat. Er kann sein Instrument jetzt zwar bedienen, aber er ist immer noch weit davon entfernt, es auch zu "spielen". Hoffentlich ist er sich dessen bewusst, und hat die Kraft, weiterzumachen. "To the make of a piper go seven years ..." Ist eben doch mehr als ein Körnchen Wahrheit drin, in dieser Legende.





Cheers Herbert Bartmann 
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Freitag, 20. April 2012

To the make of a piper go seven years (III)

(Fortsetzung von "To the make of a piper go seven years (II)



Wegen dieser vielfältigen Aspekte der Spiel- und Instrumententechnik führt die "schottische Schule" den Anfänger schrittweise an das Instrument heran. Erst wenn der Schüler sich nach ein bis zwei Jahren dieses Rüstzeug erarbeitet hat, ist es Zeit, schrittweise auf der eigentlichen Highland bagpipe weiterzulernen.
Der Schüler hat sich durch das Spiel auf dem practice chanter zwar schon ein beachtliches Muskelpaket an Mund und Lippen antrainiert, doch Spielpfeife und Bordunpfeifen der Highland bagpipe brauchen eine ungleich höhere Luftmenge, um zu klingen. Darum werden die drei Bordunpfeifen (=drones; eine Bassbordunpfeife, zwei Tenorbordunpfeifen) oben mit Korken verschlossen und die Spielpfeife der Highland bagpipe durch den practice chanter ersetzt. So lernt der Schüler den Umgang mit dem noch ungewohnten Instrument, ohne gleich mit dem später nötigen, höheren "Betriebsdruck" kämpfen zu müssen. Denn jetzt hat er erstmal mit dem Balg unter dem linken Arm zu kämpfen, der dauernd runterrutschen will. Die Bordunpfeifen sollten zwar stabil auf der linken Schulter liegen, drohen aber regelmässig vorne über zu kippen. Das Blasrohr im Mund scheint auch ein Eigenleben zu entwickeln, denn es will immer aus dem Mund flutschen. Und der (practice) chanter und beide Hände sind nun in einer neuen, ungewohnten Position, die keinen Blick mehr auf die Finger erlaubt. War das Spiel auf dem practice chanter fast schon so leicht wie ein Spaziergang barfuss am Strand, so hat er nun das Gefühl, mit nagelneuem Schuhwerk und schwerem Gepäck bei Eiseskälte einen Berg erklimmen zu müssen.
Eine oder zwei Wochen verbringt der Schüler nun damit, die komplizierte Motorik von abwechselndem Blasen und Drücken so auszuführen, dass ein halbwegs konstanter Ton erklingt. Hat er das erreicht, versucht er es mit der ein oder anderen leichten Melodie.


Cheers
Herbert Bartmann
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Sonntag, 15. April 2012

To the make of a piper go seven years (II)

(Fortsetzung von "To the make of a piper go seven years (I)


Es ist aber die spezielle Fingertechnik, die für den Anfänger eine noch grössere Hürde darstellt, als nur das bisschen Muskelkater. Eine, die er nach drei bis vier Monaten übersprungen haben wird oder dann an ihr scheitert. Dann wird es sich zeigen, ob er "dazu geboren" ist, weiterzugehen. Bei der Highland bagpipe werden die Spielpfeife (auf der mit den Fingern die Melodie gespielt wird) und die drei Bordunpfeifen (diese erzeugen die begleitenden Dauertöne) über einen Ledersack permanent mit Luft versorgt. Diese Luft, die die Pfeifen verbrauchen, muss der Spieler, während er spielt, immer wieder durch Blasen erneuern. Dadurch ensteht ein unendlicher Fluss von Luft und somit auch Klang. Es ist ihm nicht möglich, während eines Stückes kurze musikalische Pausen einzulegen, um danach neu anzusetzen, wie z.B. bei einer Blockflöte. Bei dieser wird der Luftstrom zwischen zwei oder mehreren aufeinanderfolgenden Tönen gleicher Tonhöhe durch schnelle Zungenbewegungen gestoppt und dadurch voneinander getrennt. Ein "piper" erzeugt diese kurzen Stopps, indem er zwischen den Tönen der Melodie blitzschnelle Verzierungsnoten spielt. Dies geschieht vor den eigentlichen "Haupttönen" der Melodie durch millisekundenschnelles heben oder senken eines oder auch mehrerer Finger. 
Ein Anfänger muss also nicht nur die Griffe der "Haupttöne" auf seinem practice chanter erlernen, sondern auch diese zahlreichen, festgelegten Verzierungsnoten. Würde er damit gleich auf der Highland bagpipe beginnen, wäre er hoffnungslos überfordert, etwa so wie ein Fahrschüler, der gleich in der ersten Stunde einen LKW mit Anhänger rückwärts einparken wollte. Auch das Fahren der Highland bagpipe setzt das Beherrschen von mehreren gleichzeitig stattfindenden Dingen voraus. Neben der speziellen Fingertechnik der Spielpfeife noch das gleichmässige Blasen mit dem Mund, um immer genug Luft im Balg zu haben und ausserdem gleichmässiger Armdruck auf den Balg, damit der Ton konstant bleibt. Ferner muss er lernen, die Bordunpfeifen und die Spielpfeife zu stimmen, damit alle Pfeifen zusammen einen runden, harmonischen Klang ergeben. Das erfordert ein gutes Gehör, welches sich erst nach und nach entwickelt.


Fortsetzung folgt...



Cheers 
Herbert Bartmann 
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Mittwoch, 11. April 2012

To the make of a piper go seven years (I)

"To the make of a piper go seven years ... At the end of his seven years one born to it will stand at the start of knowledge (...) " 
So steht es im Vorwort des ersten der insgesamt drei Bände der Lehrbuchreihe für die schottische Hochlandsackpfeife (Highland bagpipe) des College of Piping in Glasgow. Sieben Jahre soll es dauern, bis der Schüler erst am Anfang allen Wissens steht ? Und auch nur dann, wenn er "dazu geboren" ist ? Dies ist nur eine von vielen Legenden, die sich um die Highland bagpipe ranken und doch ist gerade in dieser mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.


Der Anfang allen Wissens beginnt für den Anfänger mit einer mittelschweren Enttäuschung. Wo der Pianist vom ersten Tag an an einem richtigen Klavier sitzt, hat der Dudelsackanfänger auf Anweisung seines Lehrers zunächst die richtige bagpipe komplett zu ignorieren. Für mindestens ein Jahr wird er auf dem "practice chanter" üben müssen. Dass diese "Übungspfeife" viel leiser ist als die eigentliche bagpipe und damit den vorprogrammierten Konflikt mit den Wohnnachbarn erstmal verhindert, ist für ihn nur ein kleiner Trost.


Doch Beschränkung kann den Kopf für die wesentlichen Dinge frei machen, ebenso wie eine massvolle, aber fordernde körperliche Betätigung. Ihn wird es wundern, dass schon diese kleine Übungspfeife so viel Luft verbraucht. Seine Luft. An Mund, Lippen und Backen spürt er Muskeln, von deren Existenz er vorher keine Ahnung hatte. Vielleicht wird er seinen Lehrer fragen, ob es spezielle Übungen gibt, um diese Muskeln zu trainieren. Dieser wird antworten, dass es tatsächlich eine kleine Übung gibt, die wahre Wunder wirkt: "Play your chanter." Jeden Tag für eine Stunde. Ein Jahr lang. Ob fröhlich oder traurig, ob bei Regen oder Sonne.

(Fortsetzung folgt)




Cheers 
Herbert Bartmann